Zur Karriere des Dauerhaften.
Hausbiografien wertgeschätzter Wohnungsbauten
aus den Jahren 1900 bis zur Gegenwart

Zusammenfassung

Das vom SNF und der Liegenschaftenverwaltung der Stadt Zürich unterstützte Forschungsprojekt hat zum Ziel die Dauerhaftigkeit im Wohnungsbau zu untersuchen. Im Wohnungsbau wirken höchste Beharrungskräfte. Die Verankerung in einer regional tradierten Systematik sowie die Abhängigkeit von der Akzeptanz der Nutzerinnen und Nutzer, die wiederum von Konventionen geprägt sind, sind hoch. Eine Fokussierung auf den Wohnungsbau macht Sinn, da hier die Multiplizierbarkeit von neu gewonnenem Wissen betreffend den sozialen, finanzierungstechnischen, architektonischen und städtebaulichen Merkmalen von besonders grosser Tragweite ist.

Unser Interesse richtet sich auf dauerhaft bestehende “Alltagsarchitektur”. Unterschiedliche Qualitätskonzepte werden anhand unterschiedlich alter Wohnungsbauten in Zürich auf ihre Langlebigkeit bzw. ihre “Biographie” hin analysiert. Wir gehen davon aus, dass wertgeschätzte Wohnbauten, die in ihrer Zeit mit unterschiedlich hohem Mitteleinsatz für unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen erstellt wurden, neue Aufschlüsse über die Dauerhaftigkeit und die sie konstituierenden sozialen, kulturellen und materiellen Qualitäten geben können.
Die kulturhistorische Erweiterung der bisher technisch orientierten Perspektive macht es möglich, die Nutzungen sowie die Beurteilungen eines Hauses im Verlauf seines Lebenszyklus durch die Bewohnerschaft, die Eigentümer und die Öffentlichkeit zu fokussieren. Dabei rücken jene Eigenschaften und Bedingungen von Qualität in den Blick, welche massgeblich zur besonderen, über Generationen hinweg andauernden Wertschätzung des Hauses beitragen.

«Es gibt die Geschichten von bemerkens-
werten Familiensitzen, Bahnhöfen, Bankgebäuden, Schlössern. Doch häufig sind es Baugeschichten, kunstge-schichtliche Analysen und nur selten Geschichten, in denen die komplexe Geschichte des Orts den roten Faden abgibt.»

(Karl Schlögel)